Die AgiL stellt sich vor | Ludwig Stephan ­– Berater für regionale Wertschöpfungsketten

Ludwig Stephan Portrait quadratisch
Ludwig Stephan (Foto: Matthias Werner)

Jeden Monat stellen wir ein Teammitglied der AgiL vor. Im Mai haben wir ein Interview mit Ludwig Stephan geführt, einem unserer Berater für regionale Wertschöpfungsketten.

Welche Aufgabenschwerpunkte hast Du bei der AgiL?

Mein Schwerpunkt liegt in der Beratung landwirtschaftlicher Unternehmen beim Aufbau und der Optimierung regionaler Wertschöpfungsketten. Das fängt an bei der grundlegenden Bedarfsanalyse vor Ort, zieht Hintergrundrecherchen nach sich und mündet oft auch darin, die richtigen Akteure am richtigen Ort zur richtigen Zeit zusammenzubringen. Dazu organisiere ich gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen Vernetzungs- und Informationsveranstaltungen. Neben der Beratung bin ich auch hinter den Kulissen der AgiL aktiv und kümmere mich gemeinsam mit weiteren Teammitgliedern um die Öffentlichkeitsarbeit.

Was für einen Ausbildungshintergrund hast Du und was waren Deine beruflichen Stationen, bevor es Dich zur AgiL verschlagen hat?

Ich bin Agrarwissenschaftler (B.Sc.) mit Schwerpunkt Agrarökologie (M.Sc.). Während meines Bachelorstudiums in Halle (Saale) habe ich mich vertiefend mit den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Landwirtschaft auseinandergesetzt. Aus dieser Zeit nehme ich wichtige Grundlagen für meine Tätigkeit als Wertschöpfungskettenberater mit. In meinem Masterstudium in Schweden lernte ich einen ganzheitlichen Blick auf die Landwirtschaft und die sie umgebenden Systeme kennen. Lineare Wertschöpfungsketten als Ernährungssysteme zu begreifen und die Bedeutung regionaler Ernährungssouveränität zu erkennen waren wichtige Meilensteine auf meinem Weg.

Als angestellter Landwirt habe ich praktische Erfahrungen im ökologischen Acker- und Gemüsebau sammeln können. Die Intensive Beschäftigung mit dem Boden und dessen fragiler Fruchtbarkeit brachten mich dazu, mich in der landwirtschaftlichen Betriebsberatung selbständig zu machen. Durch meine Beratungstätigkeit in und über Deutschland hinaus kenne ich unterschiedliche landwirtschaftliche Betriebsformen und Kontexte und kann daraus auch Ideen für Sachsen schöpfen.

Da ich ursprünglich aus Dresden stamme und eine persönliche Familientradition in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft des Erzgebirges habe, liegt mir die regionale Wertschöpfung in Sachsen persönlich am Herzen. Nachdem ich ein paar Jahre über den Tellerrand Sachsens hinausgeschaut habe, freut es mich umso mehr nun in meiner Heimat Ernährungs- und Landwirtschaft zukunftsfähig mitgestalten und unterstützen zu können!

Womit beschäftigst Du Dich aktuell neben Deiner Tätigkeit bei der AgiL?

Besonderes Interesse habe ich für nachhaltige Landbewirtschaftungsformen, die dazu beitragen, unsere wichtigste Lebensgrundlage, die Bodenfruchtbarkeit, zu erhalten und aufzubauen. Daher beschäftige ich mich viel mit regenerativer Landwirtschaft, was auch meine freiberufliche Beratung maßgeblich prägt. Ich unterstütze Landwirtschaftsbetriebe unter anderem bei der Umsetzung regenerativer Pflanzenbaukonzepte. Mein Schwerpunkt liegt dabei momentan in der Beratung zu arbeitswirtschaftlichen Kompostierungsverfahren. Durch eine Ausbildung zum zertifizierten Agroforstberater erhoffe ich mir die Diversifizierung und Krisenfestigkeit der Landbewirtschaftung zukunftsfähig mitgestalten zu können.

Ich engagiere mich in Vereinen wie der Interessengemeinschaft gesunder Boden, der europäischen Agrarökologie-Vereinigung und dem Deutschen Fachverband für Agroforstwirtschaft. Durch diese ehrenamtlichen Tätigkeiten bin ich breit vernetzt und kann unterschiedliche Ansätze und Methoden in die Arbeit bei AgiL einfließen lassen.

Für welche Themen brennst Du ganz besonders?

Schon lange beschäftigt mich die Frage, wie ein positiver Imagewandel der Landwirtschaft und eine höhere Wertschätzung von Lebensmitteln befördert werden können. Denn Lebensmittel sind in Deutschland sehr preisgünstig und erfahren auch dadurch nicht die Wertschätzung, die sie verdient hätten. Nicht nachhaltige Überproduktion und Verschwendung sind die Folgen. Eine Entfremdung des Konsumenten von der Herkunft und Wertigkeit der Lebensmittel und die Fokussierung der Berichterstattung auf Skandale aus der Tierhaltung tragen zu einem niedrigen Ansehen der Landwirtschaft in der Gesellschaft bei. Ich sehe große Potentiale im Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten, um direktere Kontakte und Beziehungen zwischen Landwirtschaft und Verbraucher aufzubauen. Das kann am Ende dazu führen, dass gesellschaftlich mehr Verständnis für die Landwirtschaft entsteht und sie selbst gesellschaftliche Erwartungen besser erfül


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