Regionale Produkte, regionaler Vertrieb – Interview mit Marisa Endrejat von Elb-Ferment

Wir haben mit Marisa Endrejat von Elb-Ferment gesprochen. Das Dresdener Unternehmen produziert seit 2019 Kimchi und andere Gemüsefermente aus regionalen sächsischen Zutaten. Und setzt auf Nachhaltigkeit auf allen Ebenen.

AgiL: Hallo Marisa, schön, dass du heute Zeit für uns hast. Erzähl doch mal – was macht euer Unternehmen Elb-Ferment?

Marisa Endrejat: Wir haben uns im April 2019 gegründet und sind im Oktober desselben Jahres mit dem ersten Produkt auf den Markt gegangen – damals noch ganz klein. Wir produzieren bioregionale, fermentierte Lebensmittel. Dabei achten wir in allen Bereichen auf größtmögliche Nachhaltigkeit – von den Zutaten über die Produktion bis zur Verpackung.

AgiL: Welche Philosophie steht dahinter? Warum ist es euch wichtig, bioregionale Lebensmittel zu produzieren?

Marisa Endrejat: Wir haben gemerkt, dass es Produkte wie unsere in dieser Qualität kaum gibt. Wir wollten Fermente herstellen, wie man sie zu Hause macht – lebendig, naturbelassen und ohne Nachbehandlung. Dann haben wir die Idee gesponnen, dass wir das ja auch selbst machen könnten. Und wir haben gesagt, wenn wir Lebensmittel produzieren und dabei schon so viel Wert auf Qualität legen, wollen wir das konsequent auch bei der Nachhaltigkeit umsetzen – ohne Kompromisse. So ist Elb-Ferment entstanden.

AgiL: Ihr arbeitet sowohl mit regionalen Produkten als auch innerhalb eines regionalen Vertriebsradius – wie groß ist dieser?

Marisa Endrejat: Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir unseren Vertriebsradius auf Mittel- und Ostdeutschland beschränken wollen. Unsere Fermente sind nicht pasteurisiert und müssen gekühlt transportiert werden. Eine deutschlandweite Kühl-Logistik wäre einfach nicht nachhaltig. Wir beziehen bewusst unsere Rohstoffe aus der Region – zum Beispiel Früchte von der Früchteverarbeitung Sohra oder Knoblauch vom Enderhof in Bautzen. Da ergibt es für uns keinen Sinn, dann überregional zu vertreiben.

AgiL: Wie steht ihr zu regionalen Wertschöpfungsketten?

Marisa Endrejat: Hier in der Region gibt es viele engagierte Erzeuger:innen, mit denen wir direkt zusammenarbeiten. Das ist zum einen natürlich naheliegend, wenn man auf Nachhaltigkeit setzt. Und außerdem war es für uns bisher auch sehr angenehm, direkt mit den Erzeugern zusammenzuarbeiten und in Kontakt zu sein. So unterstützen und stärken wir auch ihre lokalen Unternehmen.

AgiL: Inwiefern hattet ihr schon mit der AgiL zu tun?

Marisa Endrejat: Wir haben uns recht früh auf einem Netzwerktreffen kennengelernt und sind seitdem in Kontakt geblieben. Die AgiL hat für uns eine Fördermittelrecherche durchgeführt und uns auch erfolgreich einen Chili-Bauern vermittelt, von dem wir künftig Chilis beziehen können! Und wir konnten durch unser großes Netzwerk auch schon einige Male aushelfen, wenn die AgiL auf der Suche nach speziellen Erzeugern war.

Ein schönes Beispiel gab es im letzten Jahr: Durch die schlechte Obsternte gab es auch wenig Obst, dass gesaftet werden konnte. Das betraf auch die Früchteverarbeitung Sohra, woraufhin die AgiL in den sozialen Medien einen Aufruf nach Obst gestartet hat. Durch unseren Kohlbauern wussten wir, dass es viel Rote Beete gibt und so haben wir auf den Aufruf reagiert und die Idee eines Rote Beete-Saftes eingebracht. So ist dann der Kontakt zustande gekommen, dass Sohra Rote Beete von unserem Kohlbauern bezogen und einen neuen Saft produziert hat – da war es toll, dass AgiL diese Mittlerposition innehatte.

Ich denke, die AgiL kann auch in Zukunft gut beim Netzwerken und der Reichweite unterstützen. Viele Betriebe arbeiten mit großem Idealismus, sind aber so eingenommen von ihrer Arbeit, dass sie dafür selbst gar keine Zeit haben. Da ist es gut, wenn eine Agentur wie die AgiL, die Kapazitäten und Bedürfnisse der Akteurinnen kennt, den Informationsaustausch koordiniert und die Leute wirklich zusammenbringt.

AgiL: Was wünschst du dir generell für die Zukunft regionaler Lebensmittel?

Marisa Endrejat: Ich wünsche mir mehr Klarheit darüber, was „regional“ eigentlich bedeutet. Der Begriff ist nicht geschützt – für manche heißt es „aus Deutschland“ oder sogar aus der EU, für andere ein Umkreis von 20 Kilometern. Wir beziehen alles so regional wie möglich, auch wenn manches – wie Tee – naturgemäß nicht hier wächst.

Eine klare Definition würde sowohl in der Verarbeitung als auch bei den Endverbraucherinnen Orientierung geben und Vertrauen schaffen. Ich fände gut, wenn da auch in der Verarbeitung und Gastronomie verstärkt drauf geachtet wird und Gastronomen ihre Kartoffeln nicht einfach aus sonst wo von der Metro beziehen, während um uns ja so viele regionale hochqualitative Kartoffelbauern sitzen.

AgiL: Gibt es aktuell regionale Zutaten, die ihr sucht?

Marisa Endrejat: Im Moment nicht. Wir haben feste Partner, die gezielt für uns anbauen, und produzieren saisonal – also jetzt im Herbst produzieren wir die Gemüsefermente für das gesamte nächste Jahr. Aber wir haben viele Ideen für neue Produkte und sind immer offen für Kooperationen, besonders wenn es um überschüssiges Gemüse oder neue Verarbeitungsmöglichkeiten geht. Da kann die AgiL sehr gerne auf uns zu kommen und vermitteln. Wichtig ist nur, dass die Betriebe bio-zertifiziert sind.

AgiL: Und was ist dein persönliches Lieblingsprodukt?

Marisa Endrejat: Schwer zu sagen! Bei den Kombucha-Sorten mag ich momentan unseren Hanf-Kombucha am liebsten – der hat spannende, florale Noten und der Hanftee kommt von der Müritz. Und bei den Gemüsefermenten – ich bin großer Fan von unserem Sauerkraut!

AgiL: Möchtest du zum Schluss noch etwas ergänzen?

Marisa Endrejat: Ja – ich würde mir wünschen, dass Betriebe in der Branche mehr zusammenarbeiten, statt sich als Konkurrenz zu sehen. Wir können viel voneinander lernen und gemeinsam Strukturen aufbauen, die nachhaltiger sind. Wir als verarbeitende Betriebe haben ja auch eine gewisse Macht, die wir vielleicht zu unseren Gunsten nutzen können, um Themen voranzubringen.

Ein Thema, das uns gerade sehr beschäftigt, ist die Mehrwegpfand-Logistik. Wenn mehr Unternehmen auf standardisierte Gläser und Pfandsysteme setzen würden, ließen sich Transportwege verkürzen und Ressourcen schonen.

Das Joghurtglas ist ein gutes Beispiel – ein etabliertes System, das funktionieren kann, wenn es viele nutzen. So würden Kreisläufe geschlossen und die Wiederbefüllung erleichtert.
Leider schrumpfen viele dieser Standardsysteme, weil immer mehr Unternehmen aus Kostengründen auf Einweg umsteigen. Das ist wirklich schade – denn nachhaltiger wäre der andere Weg.

AgiL: Liebe Marisa, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg beim herbstlichen Fermentieren!

Marisa Endrejat zapft Kombucha auf den Öko-Feldtagen © Marzena Seidel
Felix Lehmann von Elb-Ferment besucht Kohlbauer Ignac Wjesela (links) bei der Ernte © Elb-Ferment
Marisa Endrejat und Felix Lehmann, die Gründer:innen von Elb-Ferment © Kristin Kasten

Zum AgiL-Veranstaltungskalender

Sie interessieren sich für weitere Veranstaltungen der AgiL? Auf unserer Webseite finden Sie eine Übersicht über alle anstehenden Veranstaltungen. Wenn Sie über alle neuen Veranstaltungen direkt informiert werden möchten, dann melden Sie sich auf gerne für unseren Newsletter an.